Zeitungsartikel über Edith und Maria's Häggäwärmerli im St.Galler Tagblatt
Auf Tournee mit Häggäwärmerli
Zwei Hausfrauen aus Häggenschwil reisen mit ihren Dinkelwärmekissen
von Weihnachtsmarkt zu Weihnachstmarkt.
Die schöne Geschichte von Edith Hafner und Maria Bruggmann begann
mit einem Hobby und einer guten Idee. Sie steht für viele andere
Menschen, die ebenfalls einmal einen nützlichen Gegenstand
herstellten, und doch ist sie besonders.
Weil die beiden Hausfrauen irgendwo im Ausland Dinkelwärmekissen
entdeckt hatten und diese nach sorgfältiger Abklärung in der Schweiz
nirgendwo erhältlich waren, entschlossen sie sich, solche selber zu
produzieren. Vorerst nur, um sich selber zu wärmen - den Körper,
wenn es einmal kühl war, und das Herz, wenn sie die Kissen in wohliger
Atmosphäre daheim in Häggenschwil nähten, sobald die Tage kürzer wurden.
Unter Profis
Ihre Erfahrungen mit den herkömmlichen „Säckli“, mit
Kirschen-Steinen oder Trauben-Kernen, zeigten auf, dass diese
zwar altbewährt waren, jedoch die Wärme weniger lange behalten
als Dinkelkorn - weiters wirkt Dinkel entzündungshemmend,
beruhigend und entspannend. An einem gemütlichen Abend mit
Freunden, reifte dann der Entschluss, dass sie die
Wärmekissen auch anderen Leuten offerieren könnten. Es
folgten Gespräche mit einem Müller. Daraus resultierte ein
Produkt, welches gewärmt werden kann, die Körner nicht
platzen und frei ist von Ungeziefer.
Die „Häggäwärmerli“, wie sie die Kissen in Anlehnung an ihren Wohnort
„Häggenschwil“ bezeichneten, waren geboren.
Damit begann das Aussergewöhnliche an der Geschichte. Sie
verkauften ihre Wärmespender fortan auf Weihnachtsmärkten, dort,
wo primär professionelle Marktfahrer ihren Stand aufstellen. In
Wittenbach erhielten sie zunächst «ä chlieses Eggli» zugeteilt, wie
Edith Hafner erzählt. Es war vorerst ihre einzige Station in der
Adventszeit. Heute absolvieren sie eine veritable Tournee: Gossau,
Arbon, Romanshorn, Kreuzlingen (8.12.06), St. Gallen (9.12.06),
Steckborn (10.12.06) und Sulgen (14.12.06) sind die Orte, wo sie
ihren nun viel grösseren Stand aufstellen.
Aber auch das ist ein Eigenfabrikat, hergestellt aus Holz und
zusammengefügt mit Schrauben und Muttern. Während die Profis
nach ein paar Handgriffen ihre Auslage präsentieren können,
sind die Frauen noch eine Weile mit Aufstellen beschäftigt.:
«Vor einem Jahr in St. Gallen wurden wir pflatschnass»,
erinnert sich Maria Bruggmann. Dem Vergnügen tat es keinen
Abbruch.
Bis zum Morgengrauen
Bei der Gelegenheit mussten unsere Hobby-Marktfahrerinnen ihre
Kissen schön im Trockenen halten. Denn die Körner sollen nicht nass werden, sonst quellen sie auf und verlieren ihre Wirkung.
Sonst ertragen die Kissen einiges. Sie können im Mikrowellen-Ofen während zwei
bis vier Minuten oder im Backofen während zehn Minuten aufgeheizt werden.
Danach bleibt die Wärme während Stunden konstant. Das Kissen ist so warm
wie eine Bettflasche, gibt aber wesentlich länger Wärme ab. Es bleibt durch
die Körperwärme lauwarm bis zum Morgengrauen.
Edith Hafner und Maria Bruggmann versprechen weitere angenehme Wirkung.
Warm angewendet hilft es gegen Muskel- und Gelenkschmerzen und gegen
Rheumatische Beschwerden. Das Kissen gibt beruhigende Dämpfe ab. Rundum
gut geeignet gegen jedes „Wehwechen“ des Alltags oder einfach als wohligen
Bettwärmer - für jung und alt.
Das Kissen kann (im Plastiksack) auch ins Eisfach gelegt werden. So präpariert,
kühlt es und mindert Migräne, Zahnweh und fördert die Heilung von
Verstauchungen und Prellungen.
Die beiden Freundinnen benutzen Stoffe aus 100 Prozent Baumwolle.
Sie nähen die Kissen in verschiedenen Mustern, Grössen und Formen. Für
Kleinkinder, Altersheime und Hotels werden oft auch Kissen mit Überzügen
geliefert. Eine Standardgrösse kostet 30 Franken. Sie bieten auch ein
Bastelkissen für Leute, die es selber bemalen möchten. Die Bestellungen
treffen deshalb mittlerweile das ganze Jahr über ein.
Reich geworden sind sie nicht. Ein Sackgeld aber bleibt übrig für die beiden
Familien mit je vier Kindern - und vor allem die Genugtuung, zur Adventszeit
sich selber und andern Leuten Wärme zu spenden. (th.)
www.nestwaermer.ch.
|